Kinder sind mutig

…und wir Erwachsene denken viel zu viel nach

Ich erinnere mich immer wieder an neue Buzz-Words, Akronyme und dergleichen: „Scrum“, „MVP“ (minimal viable product), „KPIs“, „OKR“ und und und… es liegt nun mal in der Natur der Sache: irgendwann hört man einen Begriff das erste mal. In der heutigen Zeit kann man sich gar nicht dagegen wehren. Ja, es ging auch mir so mit vielen Wörtern und es geht mir immer noch und es wird auch in Zukunft so sein, dass ich Bedeutungen einfach nicht kenne. Viele Wörter hat man zudem schon irgendwo einmal aufgeschnappt und gefährliches Halbwissen darüber.
Früher hab ich es stets so gehalten, mich entweder mit meinem Halbwissen zufrieden zu geben oder den Begriff erstmal aufzuschnappen und später danach zu googeln. Ich könnte mich ja lächerlich machen und als der Anfänger, der Nichtwissende, der Planlose dastehen. Nur was mach ich, wenn es ein firmeninternes Akronym ist? Da wirds dann schwierig mit der Suche im Internet. Naja… irgendwie bekomm ichs schon aus irgendeinem Gespräch heraus. Hhhmmm… ja, schon. Nur vielleicht ist es dann zu spät, weil ich selbst danach gefragt werde. Dann steh ich erst recht als der Depp da. Mit der Zeit hab ich meine Meinung geändert. Denn was habe ich schon zu verlieren, wenn ich frage? Was ist der worst-case? Werde ich gefeuert, wenn ich es nicht weiß? Lachen mich alle anderen aus? Krieg ich eine schlechte Bewertung von meinem Vorgesetzten? Komm ich karrieretechnisch jetzt nicht mehr weiter?
Wie eben erwähnt, hab ich meine Einstellung geändert und bin mutiger geworden. Ich frage einfach, wenn ich etwas nicht verstehe. Und, ach! Was für eine Überraschung: Ich bin nicht gefeuert worden. Ich werde und wurde noch nicht ausgelacht. Ich hab keine schlechte Beurteilung dafür bekommen und ich hab mir deswegen auch nicht meine Karriere verbaut (jedenfalls glaube ich das). Ganz im Gegenteil. Ihr könnt Euch sicher sein. Wenn in einer Runde von 10 Leuten Fachbegriffe durch den Raum geworfen werden und ihr diese nicht versteht, könnt ihr euch sicher sein: es wird mindestens noch eine weitere Person geben, die das gleiche Problem hat. Ihr könnt euch sicher sein, dass euch mindestens diese eine Person dankbar ist für eure Frage. Warum? Weil diese Person nicht die Hosen runter lassen musste und danach zu fragen.
Es kommt aber noch besser. Wenn sich jemand mit Fachbegriffen schmückt, fragt auch einfach mal so aus Spaß an der Freude nach. Vielleicht erwischt ihr den Redner auf dem falschen Fuß und er glänzt mit gekonntem Halbwissen. Dann kommt unter Umständen heraus, dass mehr heiße Luft als echtes Know-how zu Tage tritt.

Und jetzt die Gretchenfrage: wer von Euch hatte jedesmal den Mut und fragte nach, was dieser Begriff denn bedeute? Na? Ich denke ein Großteil von Euch hat nicht nachgefragt. Warum eigentlich? Habt ihr Bedenken, dass ihr der Einzige seid, der etwas nicht wisst? Überlegt ihr, ob ihr DER Vollpfosten seid, der nix checkt? Falsch! Ich leg meine Hand dafür ins Feuer, dass ihr nicht der Einzige seid. Es wird mindestens noch eine Person im Raum geben, die genauso viel Ahnung hat wie ihr, nämlich keine! Also fragen, fragen, fragen!!!

Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, was hat das mit Kindern und Mut zu tun? Unsere Welt ist kompliziert. Kinder kennen und verstehen viele Dinge nicht. Ist auch ganz normal. Sie müssen viel lernen in den ersten Jahren ihres Daseins. Ganz vorne angefangen: erstmal kapieren, dass die Gliedmaßen zu mir gehören und dass man diese auch steuern kann, dass die Augen noch viel mehr können als hell, dunkel und ein paar Farben ins Gehirn übertragen können, dass man sich geschickter fortbewegen kann, als auf allen vieren. Und dann noch die Königsdisziplin: Sprechen! Innerhalb von 2 Jahren. Irre!
Wenn erstmal dieses Level des Sprechens erreicht ist, geht das Leben erst so richtig los. Wenn Kinder etwas nicht verstehen oder etwas wissen wollen, fragen sie einfach. Sie überlegen nicht lange. Sie machen sich keine Gedanken über die Frage. Sie überlegen nicht, ob sie dann doof dastehen. Kinder sind neugierig und wollen es einfach Wissen. Es ist ihnen nicht peinlich zu fragen.

Was ich bei Kindern im Gegensatz zu uns Erwachsenen noch viel besser finde: Kinder probieren einfach aus. Kinder stellen keine großartigen Konzepte auf, wie etwas funktionieren könnte. Sie machen es einfach. Das ist zwar oft hart und frustrierend. Das beste ist jedoch: man oder besser gesagt Kind lernt verdammt schnell. Ausprobieren, scheitern, nachjustieren, wieder ausprobieren, Erfolg haben, freuen!
Wenn ich an meine Tochter denke, als sie 4 Jahre alt war. Wir hatten sie zum Kinder Yoga angemeldet. In einer wildfremden Gruppe, bei einer wildfremden Yoga Lehrerin. Ich glaube sie hatte nicht wirklich Ahnung, was da auf sie zukam.Sie ist einfach hin, sie hat sich drauf gefreut. Ja, sicher mit etwas schlottrigen Knien. Aber sie ist hin und hat sich auf das Unbekannte gefreut. Klar, war ja neu. Das ist auf jeden Fall interessant. Von der Mama weiß ich außerdem, dass sie auch so ein komisches Zeugs macht. Wie mutig! Wie gesagt: ich frag mich, ob sie vorher überhaupt verstanden hat, worauf sie sich da einlässt. Und für all diejenigen, die die Kleine nicht kennen. Sie ist eeeeecht sehr zurückhaltend, sehr introvertiert und schüchtern. Das beeindruckt mich umso mehr.

Also: nehmt Euch ein Beispiel an den Kleinen. Sie sind mutig. Sie denken nicht so viel über Belanglosigkeiten nach wie Ansehen oder Dergleichen. Sie probieren aus und sie fragen. Sie warten nicht. Nichts ist effizienter als dieses Vorgehen.

Tagesrückblick für Papa

oder die tägliche Retrospektive.

Eine Retrospektive ist ein Meeting, in dem wir uns im Team den letzten Sprint* anschauen. Wir blicken zurück auf die letzten 2 Wochen, um aus der Vergangenheit zu lernen. Das können positive Dinge sein, die uns besonders gut gelungen sind. Das können genauso gut Dinge sein, die wir in Zukunft besser machen können. Oder wir finden Dinge, die wir neu ausprobieren wollen. Wir machen diese Dinge transparent, schreiben Zettel und leiten aus Maßnahmen ab. Warum machen wir das? Ich habs eben schon angedeutet. Nein, nicht weil die Vergangenheit so schön ist und wir in Erinnerungen schwelgen sollen. Es ist wichtig, um aus Fehlern zu lernen. Und es ist wichtig uns nochmal diejenigen Dinge vor Augen führen, die uns gut gelungen sind. Vielleicht können wir diese auf andere Aufgaben, Ziele etc. anwenden oder vielleicht profitieren andere Menschen oder Teams von unseren Best Practices?

Papas: jetzt kommt ihr ins Spiel: vor ein paar Tagen hatte ich unsere beiden Mädels allein. Meine Frau war unterwegs. Zunächst war alles prima. Wir haben gespielt, die Stimmung war gut. Doch nichts ist für die Ewigkeit. Ich begann Spaghettis zu kochen. Nachdem die beiden anscheinend ausgespielt hatten, stürmten sie an den Tisch, jede an ihren Platz (sie sitzen gegenüber am Tisch). Zack, hoch auf den Trip Trap Stuhl, Hände an den Tisch und mit aller Kraft ziehen, damit man ja als erster in der richtigen Position am Tisch sitzt. Leider hab ich den Tisch nicht am Parkettboden festgenagelt, so dass beim sich-an-den-Tisch-ziehen, der Tisch gleich mitgezogen wird. Will heißen: versucht man sich auf der einen Seite mit dem Stuhl an den Tisch zu ziehen, rutscht der Tisch ca. 2 cm(!) zu einem hin und auf der anderen Seite von einem weg. Ihr könnt Euch vorstellen wie das abläuft? Ja, es herrscht Krieg! Keiner gibt nach. Schreierei in der Lautstärke eines Presslufthammers.
Hunger gepaart mit Müdigkeit bei emotionalen Kindern. Da hilft nichts! Nein, nichts! Kein gut zureden, keine Ablenkung, keine Späße, nichts!
Ich würde von mir behaupten, dass ich sachlich analytisch bin und meine Emotionen so einigermaßen im Griff habe. Allerdings wirds auch mir manchmal zu viel, und zwar, wenn ich etwas erklären möchte und nicht einmal der Versuch unternommen wird zuzuhören oder zu verstehen. Und das, wenn man minutenlang angeschrien wird. Ja, ich wurde laut. Ich wurde sehr laut. In diesem Moment und auch jetzt, zu dem Zeitpunkt, in dem ich gerade diese Zeilen verfasse, bereue / bereute ich es auch schon wieder. Warum? Weil es nichts bringt! Eher im Gegenteil. Es macht alles nur noch schlimmer. Noch mehr Schreierei. Gut gemacht Papa! Ich bin mir nicht mehr sicher, wie sich die Situation wieder gelegt hatte. Jedenfalls nicht dadurch, dass ich bei der ganzen Schreierei mitgemacht habe 😉
Wir haben die Spaghettis reingedroschen und der Abend neigte sich zu Ende und fand seinen Abschluss beim Sandmännchen schauen.

Nachts lag ich dann im Bett und führte meine eigene Retrospektive durch. Was war gut? Wir haben zusammen gespielt. Wir hatten Spaß. Ich habe essen gekocht und die Kids habens gegessen.
Was war Scheiße? Ich habe in einer Situation, die vor Emotionen explodierte auch mitgemacht. Mit welchem Ergebnis? Nur noch schlimmer gemacht! Kurzfassung: das war Mist oder riesengroßer Scheißdreck!
Was mach ich das nächste mal anders? Auf keinen Fall mitblöken! Früher essen kochen. Die Damen beim Kochen mitmachen lassen. Spaghettis holen lassen. Gurken schneiden lassen usw.

Also Männer: schaut abends mal kurz zurück auf den Tag. Ist er völlig eskaliert? Warum ist er eskaliert? War es wirklich so schlimm oder gings um eine Belanglosigkeit? Hätte man es vermeiden können? Warum kams überhaupt dazu?
Oder war der Tag einfach genial? Dann nehmt den genialen Tag mit und überlegt, warum er genial war. Es sind meistens nur Kleinigkeiten in unseren Augen. Doch für Kinder sind viele Dinge nicht selbstverständlich und für sie neu, spannend und aufregend. Viele dieser Dinge lassen sich auf andere Situationen übertragen. Also: seid kreativ und tut Euren Kids was Gutes!

*der Zeitraum für eine Entwicklungsstrecke

von der Reitlehrerin zum Bauernhofhund

…oder warum es wichtig ist, die Perspektiven zu wechseln.

Ein Tag wie jeder andere, irgendwann im Winter 2019. Ich radle in eiseskälte vom Bahnhof nach Hause. Die Hände sind rot. Bewegen kann ich meine Finger kaum noch. Meine Gefühlswelt pendelt irgendwo zwischen müde, abgeschlagen und hoffnungsvoll, nachdem was ich
heute auf Arbeit erleben durfte. Es gab in einem Termin wie so oft heiße Diskussionen mit konträren Meinungen. Jeder der Beteiligten hatte gute Argumente für seinen Standpunkt. Am Ende hatten sich die Teammitglieder auf eine Lösung geeinigt; zumindest vordergründig. Doch mich beschlich das Gefühl, dass da noch irgendwas in der Luft lag. Wie auch immer. Abschalten, Stefan! Abschalten! Ich beschloss die Arbeit erstmal Arbeit sein zu lassen. Mal schauen, was mich zu Hause erwartet. Schreierei, das durch die dicken Ziegelsteine bis nach draußen dringen wird oder frohlockende, hüpfende grinsende Kids und meine Frau, die mir strahlend einen heißen Kaffee zur Tür bringt und mir die Schuhe auszieht? Weder noch. Ich steck den Schlüssel in die Haustür, öffne dieselbe und zieh mich aus. Im Esszimmer angekommen schaue ich auf die Couch. Mama liest vor und beide Kids lauschen vertieft. Ich lausche ebenfalls. Bis ich entdeckt werde.

Wir spielen zusammen. Ich glaub meine Frau freut sich innerlich. Nicht, weil sie die Mädels los ist. Eher, weil sie jetzt mal in Ruhe durchschnaufen und sich einfach zurücklehnen kann. Wer aufgeweckte Kinder hat, der weiß wovon ich rede. Kindererziehung ist harte Arbeit, aber anderes Thema.
Also wir spielen zusammen. Ich Pferd, K1 Pferdebesitzerin, K2 Reitlehrerin. Eigentlich ganz lustig. Wenn ich nur Knieschoner hätte. Es gibt schönere Dinge als auf allen Vieren auf dem Parkettboden durch das Esszimmer gejagt zu werden. K2 (die Reitlehrerin) jagt mich dann in eine „falsche“ Richtung, welche K1 nicht mehr passt. Ich ahne wie anfängliche Diskussionen sich hochschaukeln. Jetzt muss ich achtsam sein, sonst gibts Verletzte. Doch ich muss nicht eingreifen. Seit ein paar Wochen haben die Mädels verstanden, dass es manchmal sinnvoll ist, durch reden und unterbreiten von Vorschlägen Konflikte vermeiden kann. Da kam K1 auf die Idee, dass K2 nicht mehr Reitlehrerin sei, sondern Bauernhofhund und sie stattdessen die Rolle der Reitlehrerin übernimmt. Oh Wunder: es funktionierte. Neben mir der Mini-Bauernhofhund und hinter mir die „neue“ Reitlehrerin.

Ich muss zugeben. In dieser Situation war ich einfach nur happy! Kein Geschreie, keine Haue und ich musste nicht eingreifen. Übersetzt: der Papa war einfach nur stolz auf die Zwerge.
Erst Wochen später hab ichs gepeilt, was da passiert ist und was ich mir da abschauen kann. Was ist passiert? Die Kids haben die Rollen gewechselt. Ohne groß nachzudenken. Auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär. Doch nach etwas Nachdenken hab ich mich gefragt: warum mach ich das in meinem Job nicht so? Nein, ich meine nicht Pferd oder Hund spielen. Im übertragenen Sinn, meine ich. Warum wechsel ich nicht geistig die Rolle, wenn ich versuche meine Ideen durchzusetzen? Hätte ich dann nicht ein besseres Verständnis, warum sich mein gegenüber so verhält? Und warum stell ich in verfahrenen Situationen den Teammitgliedern nicht die Frage: „versetz Du Dich als Software-Engineer mal in die Rolle des Product Owners. Was würdest Du jetzt tun oder entscheiden?“ Plötzlich ist man „verantwortlich“ für etwas Anderes. Würde man dann sich nicht noch weitere Infos einholen? Würde man dann die gleiche Entscheidung treffen? Aha, man überlegt nun etwas sorgfältiger, richtig? Und das Verständnis wird auch ein anderes sein, oder etwa nicht? Neben dem einfachen stellen der Frage kannst Du noch einen Schritt weiter gehen und die beiden Parteien bitte, ihr Sitzplätze zu tauschen. Probiert es einfach aus.

3 Namen vertikal schreiben

Anzahl der Spieler:
lässt sich wunderbar zu zweit spielen oder stell die Aufgabe einfach mal Deinem Product Owner allein. Gerne auch als Einstieg in eine Retrospektive mit einem Team von bis zu 10 Leuten.

Nutzen:
Den Mehrwert aufzeigen, welche Effizienzsteigerung möglich ist, wenn man sich auf eine Sache konzentriert, diese beginnt und abschließt, ohne sich anderen Dingen zuzuwenden.

Spielvorbereitung:
Pro Person einen DIN A4 Zettel verteilen. Überlegt Euch 3 Vornamen. Nach Möglichkeit relativ kurze Namen. Schreibt diese 3 Namen nebeneinander in 3 verschiedenen Farben auf den DIN A4 Zettel.

Spieldurchführung:
Durchgang 1:
Schreibt den ersten Buchstaben des ersten Namens in der selben Farbe wie den Namen unter den Namen. Legt den Stift weg und nehmt den Stift mit der Farbe des 2. Namens.

Jetzt schreibt den ersten Buchstaben des 3. Namens unter den Namen.
Nehmt nun wieder den Stift mit der Farbe des ersten Namens in die Hand und schreibt den 2. Buchstaben des ersten Namens unter den ersten Buchstaben, den ihr unter den Namen geschrieben habt.

Ihr schreibt den Namen also nochmal vertikal. Ihr verfahrt mit den restlichen Buchstaben analog, bis alle 3 Namen nochmal vertikal geschrieben wurden.
Stoppt die Zeit vom Zeitpunkt des Schreibens des ersten Buchstabens bis zum letzten Buchstaben des dritten Namens.

Durchgang 2:
Als Vorbereitung schreibt zunächst wieder Eure Namen nebeneinander in 2 unterschiedlichen Farben. Nehmt den Stift mit der Farbe des ersten Namen. Schreibt den ersten Buchstaben des ersten Namens unter den Namen.

Schriebt den zweiten Buchstaben direkt darunter. Nun den dritten usw. bis der Name komplett vertikal auf dem Blatt Papier steht. Nun wiederholt den Vorgang komplett mit Namen 2 und anschl. mit Namen 3.
Stoppt auch hier die Zeit vom schreiben des ersten Buchstabens des ersten Namens bis zum letzten Buchstaben des dritten Namens.

Wenn ihr nicht geschummelt habt, dann werdet ihr den 2. Durchgang wesentlich schneller hinter Euch gebracht haben, als Durchgang 1. Warum das so ist? Die sog. Rüstzeiten in Durchgang 2 sind wesentlich geringer. Ihr müsst nicht permanent einen Stift ablegen und den nächsten in die Hand nehmen. Darüber hinaus hat das ganze einen schönen Seiteneffekt. Ihr müsst Euch bei Durchgang 2 wesentlich weniger konzentrieren und Euch nicht nach jedem Buchstaben in den nächsten Namen „einarbeiten“.

Was ich damit sagen will? Fangt Dinge an und macht sie fertig! Es bringt nichts, alles gleichzeitig anzufangen und es jedem recht machen zu wollen. Das ist zwar gut gemeint. Das Ergebnis ist Ineffizienz. Das Beispiel lässt sich auf sehr viele Dinge übertragen: Aufgaben, Dinge, die jeder einzelne erledigen will, genauso wie Entwicklungsteam oder ganz allgemein Teams. Das erfordert mitunter Mut. Denn wenn eine Sache begonnen wird und konsequent durchgezogen wird, fällt etwas anderes unter den Tisch. Anders ausgedrückt: Priorisieren!

im Flow

Schaukelpferd

oder Konzentration ist Alles…

Es ist einer dieser Momente, die ich liebe. Sonntagvormittag, ich konnte ausschlafen; wenn man bei 07:30 Uhr am Wochenende von ausschlafen reden kann. Wir hatten zusammen ohne größeren Zwischenfälle gefrühstückt. Nachdem die Löcher im Bauch gestopft waren, gings für die Kids an das Wichtigste nach Eisessen: Spielen!
Es kam wie so oft. Mein Wunsch erfüllte sich nicht. Insgeheim hatte ich gehofft, dass beide Mädels zusammen etwas spielen würden und ich mich mit meiner Frau in Ruhe über die Gartenplanung hätte unterhalten können. K1: „ich will x spielen“, K2: „will ich nicht! Ich will lieber Spiel ABC spielen“. Aus Erfahrung weiß ich: die Fronten sind verhärtet! Wenn die Vorschläge nicht von einer der beiden käme, wird sich kein Kompromiss finden lassen. Und es kamen keine Vorschläge und es gab keinen Kompromiss. Im Nachhinein bin ich froh drum.

Denn das hatte zur Folge, dass ich mit meiner kleinen Tochter mit in ihr Zimmer zum Pferd spielen durfte. Spielen bedeutet: mal ein bisschen den stacksigen Holzgaul auftrensen, mal einen Futternapf mit Spiel-Leckerlies (bunte Konfetti) dem scheckigen Schaukelpferd vor die Nase stellen. Die meiste Zeit verbringe ich jedoch damit, einfach nur da zu sein. Nichts weiter. Ich lauschte angeregt dem Kauderwelsch aus fränkisch und pferdisch. Sehr amüsant; bis mich wieder eine Erwachsenenkrankheit einholte: gedanklich abschweifen. Ich träumte vor mich hin, als eine Murmel aus einem Spieltuch auf den Holzboden rumpelte, während meine Tochter durch das Zimmer raste.
Meine Worte fanden noch nicht von den Gedanken durch den Mund nach draußen: „äähhh… Dir ist da grad eine Deiner Murmeln runterfallen. Willst Du nicht… …willst Du sie nicht aufheben? Wenn einer von uns drauftritt – Autsch!“.
Die kleine interessierte es nicht. Oder vielleicht hat sie es auch gar nicht bemerkt. Unterm Strich ist es auch völlig egal. Viel wichtiger ist: sie war im Flow, in totaler Hingabe für ihr Spiel, im hier und jetzt. Sie hat sich nicht ablenken lassen. Die Murmel war Nebensache, eben nicht wichtig. Und auch nicht relevant, weil eben jetzt ausschließlich das Tuch wichtig war.

Jetzt versetzt Euch mal in den Arbeitsalltag. Der Tag ist noch jung und vor Euch habt ihr eine Todo-Liste, was ihr alles erledigen wollt. Punkt 1 und 2 super dringend, der Rest, naja… muss halt gemacht werden. Ihr legt los mit Punkt 1. Zu Beginn schleppend , doch dann läufts einfach.
Neben Euch das Handy, das blinkt. Weitere Kollegen trudeln ein. Die Geräuschkulisse wird lauter. Ihr arbeitet weiter. Doch dieses verflixte Handy blinkt. Soll ich drauf schauen? Klar, könnte ja wichtig sein. Tatsächlich: Push-Nachricht von Bild: „Pjtro Lomardi macht übermorgen Urlaub auf Langeogg mit Hiltrud G.“ Leck mich! Warum hab ich jetzt aufs Handy geschaut?
Outlook ist offen: „Sie haben neue Nachrichten in Ihrem Postfach.“ Na, dann schauen wir mal schnell. Geht ja zackig! Tatsächlich wichtig. Der Chef braucht Infos zu Punkt 2 auf meiner Todo-Liste. Er brauchts bis heute Mittag statt morgen, weil sich ein Termin verschoben hat. Also nix wie ran an die Boeletten. Einen Teil krieg ich hin, muss dann aber unterbrechen, weil um 09:00 Uhr eine Retrospektive ist.
Nach 2h komm ich zurück an meinen Platz. Fix und alle, weils in dem Termin sehr emotional wurde. Schalter umlegen. Weiter gehts mit Punkt 1 auf der Todo-Liste… …Moment. Wo war ich gleich? Ich brauch 5 Min bis ich überhaupt wieder bei der Sache bin und weitere 10 Min. bis ich in Fahrt komme. Stopp, jetzt ist Daily. Ok, das geht schnell. Wieder zurück am Platz denke ich mir: Kack! Ich wollte bis heute Mittag Punkt 2 für den Chef liefern… Was hab ich jetzt geschafft? Naja… alles halb angefangen und nix richtig fertig. Ok, ich würde bis in einer Stunde was auf die Beine stellen. Doch mit welcher Qualität?

Was lehrt mich diese Message?
Konzentriert Euch auf die wichtigen Dinge wie beim Spiel meiner Tochter. Fangt die Euch hoch priorisierten Dinge an und schließt sie ab! Gibt es tatsächlich Dinge, die wichtiger sind? Wie wichtig können diese sein? Und wenn es sooo wichtige Dinge sind, die 3 Tage brauchen? Dann überlegt mal, ob sie nicht in kleineren Etappen abgeschlossen werden können. Mehrere Sachen gleichzeitig (ich weiß, der Begriff ist dehnbar) vollbringen zu wollen, könnte schwierig sein. Sicherlich könnt ihr mehrere Dinge anfangen, doch Dauer und Qualität werden leiden.
Getreu dem Wert Fokus:
Erledige nichts außer Deiner Arbeit. Fokussiere all Deine Bemühungen und Fähigkeiten darauf, an Deinen Zusagen zu arbeiten. Kümmere Dich um nichts anderes.
Um das ganze etwas plastischer aufzuzeigen. Versucht mal 3 Namen vertikal zu schreiben Namen vertikal schreiben.