98% der 3-5-jährigen Kinder erreichen das Genie-Level

Steve Jobs

…während nur noch 2% der Erwachsenen Genies sind.

Ihr zweifelt an den Zahlen? Dann zweifelt noch ein wenig. Mehr dazu gleich weiter unten. Zunächst ein kleiner Ausflug ins Kinderzimmer: es war ein Abend wie jeder andere, als ich mit unseren große Tochter die Gute-Nacht-Zeremonie begonnen hab. Sandmännchen geschaut (inkl. Vorschau was morgen kommt), die 12,3 kg Kuscheltiere eingesammelt und Wettrennen mit allen Familienmitgliedern über die für 4 Personen viel zu schmale Treppe in den ersten Stock gestartet. Viel zu schmal, weil man mit einem Sack an Kuscheltieren jemanden, der einen Berg an Kuscheltieren trägt auf dieser Treppe nicht überholen kann. Ich bin Letzter, Mist! …Wie jeden Tag.

Die Haarbürste als Trampolin

Im Zimmer angekommen: zunächst mal Kuscheltiere ins Bett oder zumindest in die richtige Schlafposition bringen. Bevors ans Umziehen geht muss noch kurz gespielt werden. Eigentlich hätte ich jetzt auch noch etwas Anderes zu tun (ein Stockwerk weiter unten Tisch abräumen, Spülmaschine leeren, Lüften, Spielsachen aufräumen: allein das dauert schon 30 Minuten, im Keller die Sachen aus dem Trockner holen, Wäsche aufhängen. Wobei, das lass ich lieber meine Frau machen ;-)), aber was solls. Meine Tochter spielt also noch ein bisschen mit einem Auto, auf dessen Fahrersitz eine Playmobil-Dame sitzt. Es wird gerade eine Öko-Kiste für mich angeliefert (Anmerkung der Redaktion: die gibts tatsächlich: frisches Obst und Gemüse vom Öko-Hof nebenan nach Hause liefern lassen (Öko-Kiste Schwarzach)). Beim Spielen enteckt meine Kleine in ihrem heillosen Chaos auf dem Boden ihre türkisfarbene Bürste neben sich liegen. Sie lässt die Playmobil-Dame draufhüpfen. Sie: „Oh!“ Ich: hhmm? Ist sie jetzt auf einen Igel getreten? Meine Kleine: „da steht ja ein Trampolin! Ooocchh… dann hüpf ich jetzt noch weng.“ Ich: Oouuuukäi. Trampolin. Ich hätte jetzt alles gesagt: Igel, Nagelbrett, Bürste… aber Trampolin? Nie im Leben. Genial! Wie um alles in der Welt kommt man auf Trampolin? Ich finds nur deswegen genial, weil Kinder einfach, weil Kinder noch so eine hemmungslose Phantasie haben, unvoreingenommen sind und nicht immer in Restriktionen und schon bekannte Wissen und Dingen denken.

Divergentes Denken

Ist meine Tochter mit 98%iger Sicherheit jetzt ein Genie? Ja, nur mit einem kleinen Aber. Wie einleitend erwähnt, hab ich in diesem Beitrag ganz oben eine Information weggelassen. Kinder im Alter zwischen 3 und 5 Jahren erreichen in 98% der Fälle ein Genie-Level und zwar im divergenten Denken. Dabei handelt es sich um eine Art des Denkens, bei der man offen, unsystematisch und spielerisch an Probleme herangeht und dabei Denkblockaden und kritische Einwände ausschaltet (https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/divergentes-denken/3558)

Kinder sind Meister in dieser Form zu denken, deswegen haben sie auch so verrückte Ideen. Je älter wir werden, desto weniger denken wir in dieser Art und Weise. Das ist insofern bedauerlich, weil wir in unser komplexen Welt für Problemstellungen genau dies so dringend benötigen. Studien zu folge verlieren wir diese Art zu denken im Laufe der Schulzeit, mitunter begründet durch das Schulsystem selbst. Denn genau hier bekommen wir diese Art des Denken eingetrichtert (https://gedankenwelt.de/divergentes-denken-bei-kindern-eine-verkannte-faehigkeit/). Es geht in der Regel darum, einen Lösungsweg für ein Problem zu lernen. Kreativität, Ideen und Innovationen stehen da eher irgendwo in der Schlange an Kasse 5 von Lidl.

Warum ich Euch das erzähle? Weil wir genau diese Art des Denkens in unserer komplexen Umwelt benötigen. Wir brauchen neue Denkansätze, neu Ideen. Schaut Euch das Brainstorming an? Geprägt ist dieser Ansatz von 2 Phasen: Ideen generieren und anschl. für potenzielle Ideen Lösungswege zu finden. Genau in Phase 1 dem Ideen finden ist es wichtig, frei und ohne Grenzen zu denken. Ja, hier kommen vielleicht verrückte und auch unrealistische Ideen zu Tage. Doch durch das Explizitmachen kommen andere Teilnehmer wieder auf neue Ideen, die dann durchaus realistisch sein können.
Denkt mal drüber nach…

Impediments, Prozesse, Planung, Organisator,…

lachende Kinder

…oder wo sind denn da die Menschen und die Freiheit?

Kennt ihr die Begriffe? Sicherlich, zumindest, wenn ihr die Rolle als Scrum-Master inne habt. Daran ist soweit erstmal nichts Verwerfliches. Schließlich ist unser Job Impediments zu beseitigen, damit die Entwicklungsteams effizient arbeiten können. Prozesse, auch ok. Bei der Planung scheiden sich dann schon ein bisschen die Geister. Bei der Planung darf man nicht von einer kommunistischen 5-Jahres Planung ausgehen. Das haben wir denke ich alle verstanden. Trotzdem muss das Ziel bekannt sein und ein gewisser Horizont zu sehen kann. Ganz auf Sicht fahren bei Nebel ist kein gutes Mittel, es sei denn man verfolgt kein Ziel und orientiert sich an „Der Weg ist das Ziel“. Und ja, wir organisieren auch. Was mich allerdings an den Dingen da oben stört?

Ich hab das Gefühl die Rolle wird sehr sehr oft mit diesen Begriffen verbunden. Wie gesagt, das ist soweit erstmal nix Verwerfliches. Nur steht im agilen Manifest nicht so Dinge wie Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge? Oder in den Prinzipien so etwas wie Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen?
Mir kommen solche Dinge wie Freude, Spaß bei der Arbeit, Kreativität, Freiraum immer zu kurz, wenn ich Scrum Master höre. Die wenigsten verbinden die Rolle doch mit solchen Termini, oder? Wie wärs denn, wenn die Rolle mit so etwas wie

– Freudebereiter
– Spaßbringer
– Kreativitätsunterstützer
– Freiraumschaffer

verbunden werden würde. Wäre doch viel cooler oder? Was meint ihr? Wie gehts Euch als Scrum Master? Bin ich da allein auf weiter Flur?