Was Brainstorming mit Kacka zu tun hat

Kacka

oder Restriktionen schränken ein

Wer kennt nicht die Methode Brainstorming? Finger hoch! Hab ich vermutet. Der Großteil unter Euch kennt die Methodik. Vereinfacht gesagt, zielt sie darauf ab Ideen in einer Gruppe von Menschen zu fördern oder zu generieren. Klingt cool, oder? Einfach ein paar Leute in einen Raum einsperren und 10 Minuten später: zack 32 neue Ideen, von denen ich gar nicht weiß, welche die Beste ist. Leider ist es nicht so simpel, wie es klingt. Wer aber schon mal versucht hat auf Knopfdruck kreativ zu sein, allein oder in der Gruppe, der wird feststellen: funzt nicht einfach mal so. Warum? Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Wie bei vielen Dingen des Lebens, sollte man sich vorher Gedanken machen wozu wir das Brainstorming überhaupt durchführen. Sprich: jedem im Raum muss die Fragestellung klar sein. Es kann auch sein, dass den Teilnehmern ein Moderator fehlt oder die Methodik nicht bekannt ist.
Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Blick auf Einsatzgebiet, den Ablauf und die Regeln:

Einsatzgebiet:
In der Literatur ist immer wieder vom Einsatz in Werbung und Produktentwicklung zu lesen. Die Methodik eignet sich aber auch unabhängig von Branchen ganz einfach zur Lösung von Problemen oder konkreten Fragestellungen.

Teilnehmer:
die Teilnehmerzahl sollte irgendwo zwischen 5 und 10 liegen. Förderlich sind Teilnehmer unterschiedlicher Hierarchien, unterschiedlichen Alters oder unterschiedlichen Bereichen. Diversität heißt das Zauberwort.

Ablauf:
Der Moderator beschreibt zunächst die Ausgangslage oder die Problemstellung. Anschließend erklärt der Moderator die Regeln (kommt gleich weiter unten). Dann gehts auch schon los. Alle Teilnehmer dürfen spontan Ideen äußern. Während ein Protokollant die Vorschläge notiert und sichtbar für alle visualisiert, sorgt der Moderator für die Einhaltung der Regeln. Nach einer festgelegten Zeit werden keine neuen Ideen mehr erzeugt und es geht an die Beurteilung der Vorschläge. Diese Vorschläge werden in einem festen Zeitrahmen hinsichtlich ihrer Qualität beurteilt. Im besten Fall liegt dann bereits die Lösung zur Ausgangsfrage vor.

Regeln:
– Viele Ideen in kürzester Zeit (Zeitrahmen ca. 5–30 min). Quantität statt Qualität.
– Kombinieren und Aufgreifen von bereits geäußerten Ideen ist erwünscht.
– Freies Assoziieren und Phantasieren ist erlaubt.
– Keine Kritik. Jede Idee – egal, wie verrückt – ist zunächst willkommen

Die letzte Regel ist der springende Punkt. Nix verbieten. Nichts soll von vornherein unterdrückt werden. Denn es würde den Lösungsraum einschränken. Was auf den ersten Blick vielleicht total Banane aussieht, könnte durch Kombinatorik oder Assoziation zu einer brauchbaren Lösung führen.
Jetzt fragt ihr euch sicher: was hat das jetzt mit Kindern und Kacka zu tun? Zu Letzterem komme ich gleich noch.

Schauen wir erstmal auf die Kinder. Kinder sind Entdecker und Forscher. Kinder wollen wissen und verstehen. Sie sind unendlich neugierig. Da kommen Idee, wie beim Brainstorming, zu Tage, bei denen wir Erwachsene manchmal nur mit dem Kopf schütteln können: Würstchen mit Marmelade essen oder sowas in der Art (wobei das jetzt noch nicht soooo ausgefallen ist ;-)) Oder heute beim Auspacken eines neuen Regals. Die Kanten waren mit Karton verpackt, damit das Regal beim Transport nicht beschädigt wird. Unsere kleine Tochter (3) hat gesehen und zack: „nehm ich als Sitz für die Mama“ (Anmerkung der Redaktion: mit Mama war eine Playmobil Figur gemeint!). Oder vor 4 Wochen unsere große Tochter: ich hatte in der Werkstatt gearbeitet. Da lagen dann Hammer und Nägel rum. „Papa, was machst Du da?“ Ich: „Ich nagel gerade die beiden Bretter zusammen“ Schweigen! Ich „willst auch mal?“ Tochter zögerlich, aber mit fettem grinsen übers ganze Gesicht: „Ja!“. Balken hingelegt, Hammer in die Hand gedrückt und Nägel gegeben. Einfach probiert und machen lassen. Hat wunderbar funktioniert und sie wollte gar nicht mehr aufhören. Dass die Nägel nicht gerade billig waren und ich den Balken hätte noch anderweitig verwenden können: wurscht! Ich hab sie einfach machen lassen. Welche 5-jährige kann schon von sich behaupten, richtig gut hämmern zu können?
Oder anderes Beispiel: Hat ein bekannter zentnerweise Sand mitgebracht, damit die Kinder spielen damit spielen können. Man muss dazu wissen, dass unser Garten vor dem Haus noch keiner ist, sondern eine Baustelle aus dicker fetter lehmiger Modderpampe. Der Sand ist da, Spielzeuge drin. Was passiert? Weder Tochter klein, noch groß interessieren sich dafür. Stattdessen muss ich Wasser besorgen, damit mit Matsche „Kuchen“ und „Futter“ für die Tiere gebacken und gekocht werden kann. Ich dacht mir nur: bitte nicht. Ich weiß, wie ihr beiden in höchsten 1,5 Minuten ausseht. Dann dacht ich mir: leck mich! Was solls. Wenns ihnen Spaß macht, warum sollte ich sie bremsen?
Kinder sind Freigeister. Sie haben noch einen freien Geist. Sie müssen mit den Sinnen experimentieren und mit den Sinnen erfahren können. Sofern es sich jetzt nicht um lebensbedrohliche Experimente handelt (was aus meiner Sicht beim im-Matsch-spielen nicht der Fall war), bitte um alles in der Welt: lasst Kinder ausprobieren. Warum? Kennt ihr das nicht von der Arbeit? Ihr habt aus eurer Sicht eine total geile Idee. Und euer Chef oder eure Kollegen: „ja, aber…“ „geht nicht, weil geht halt nicht“ „später überleg ichs mir mal, wenn die Außentemperatur auf über 41 Grad steigt“. Genau! Fühlt sich ziemlich kacke an. Es ist demotivierend!
Abschließend noch mit der Überleitung „kacke“ zum letzten Beispiel. Wir saßen alle zusammen am Tisch zum Abendessen. Es liegen allerlei lecker Sachen auf dem Tisch: Brot, frische Wurst, Tomaten, Gurken usw. Ich weiß nicht, was unsere kleine Tochter dann geritten hat. Sie fing an mit „du bist Frau Gurke“. Ich „neeee“. „Dann bist Du Fr. Wurst“. Ich „neeee“. „Dann bist Du Frau Kacka“. Mir ist fast das Brot im Hals stecken geblieben. Und die Kleene lacht sich schlapp. Der Rest am Tisch dann auch. Das hörte auch gar nicht mehr auf und trieb dann noch alle möglichen Blüten „Du bist Frau Wissi“ (Anmerkung der Redaktion: Urin). Beim Essen als Exkremente bezeichnet zu werden und dazu noch im anderen Geschlecht… naja. Es gibt schönere Dinge. Aber was solls. Wir hatten alles Spaß und haben gelacht. Vielleicht liegts auch daran, dass ich selbst ein Freund vulgärer Sprache bin. Ich habs jedenfalls nicht sanktioniert und unterdrückt.
Übrigens scheint es nicht nur mir so zu gehen. Auch andere Papas haben ähnliche „Probleme“ mit der Fäkalsprache 😉
https://www.spiegel.de/panorama/kindern-dinge-verbieten-haben-sie-einen-guten-grund-dafuer-a-1150528.html

Nachzulesen unter:
https://karrierebibel.de/brainstorming
https://de.wikipedia.org/wiki/Brainstorming
https://xn--kreativittstechniken-jzb.info/brainstorming/
https://gedankenwelt.de/divergentes-denken-bei-kindern-eine-verkannte-faehigkeit/

stille Wasser sind tief…

…und ganz dort unten gibt es Kostbarkeiten zu heben

Ich würde mich jetzt nicht gerade als extrovertierten Typen bezeichnen. Auf der anderen Seite würde ich auch nicht von mir behaupten, dass ich nix zu sagen hätte. Das wäre denke ich auch nicht wirklich förderlich in der Rolle eines Scrum Masters. Allerdings war ich auch nicht immer Scrum Master…

Wenn ich mich ein paar Jahre zurück erinnere, dann gab es in einer Abteilung in der ich tätig war wöchentliche Teamsitzungen. Ziel war es Informationen zu verteilen, über Neuigkeiten zu diskutieren und über alles, was eben so wichtig war. Ich glaub, ich hab in diesen einstündigen Terminen keinen Ton gesagt. Zu belanglos erschienen mir viele Diskussionen.

„Ist es jetzt besser, wenn wir links rum oder rechts rum dokumentieren?“
Stefan denkt: scheissegal, glotzt sich eh keiner mehr an…

„Sollen wir die Protokollvorlage mit 3 oder 5 Spalten nehmen?“
Stefan denkt: das nächste mal bring ich einfach eine mit und die nehmen wir dann!

„Wer schreibt heute das Protokoll?“
Stefan denkt: Chef, bestimm einfach!

Was hab ich zu dem Gedachten gesagt? Nix! Stattdessen hab ich Diskussionen über mich ergehen lassen. Hätte ich was gesagt, wenn mich jemand gefragt hätte? Vermutlich. Zugegeben, nicht so direkt, was ich gedacht habe, einfach etwas schöner verpackt.

Heute weiß ich es besser: ich mache meinen Mund auf. Was hab ich schon zu verlieren (mehr dazu in Kinder sind mutig… und wir Erwachsene denken oft zu viel nach)?

Allerdings ist es nicht so, dass jeder Mensch gleich gestrickt ist. Egal ob Kind oder Erwachsener. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, die zurückhaltend, schüchtern und introvertiert sind nicht weniger gute Ideen oder Vorschläge haben als die Lautsprecher. Im Gegenteil: da kommen oft sehr sehr gute Gedanken zu Tage. Sie bewerten Dinge zunächst einmal sehr kritisch, machen sich Gedanken, wägen ab. Wenn es niemanden in einem Team oder einer Gruppe gibt, der das erkennt, sind diese Gedanken verloren. Das gilt zu Hause als Papa, das gilt im Berufsleben als Scrum Master.

Introvertierte habens nicht einfach. Sie müssen sich in der Gruppe durchsetzen, was ihrem Naturell widerstrebt. Deshalb:

Beobachtet stets genau, hört hin mit den Ohren und hört zu mit den Augen und dem Herzen. Fragt bei denjenigen nach, die sehr ruhig sind? Fragt bei denjenigen nach, die keinen Ton sagen. Fragt bei denjenigen nach, die die Augen verdrehen. Fragt bei denjenigen nach, deren Blicke abschweifen. Unterbrecht die Lautsprecher. Und gebt den zurückhaltenden das Wort. Gebt ihnen eine Stimme!!!

Und hier noch ein paar interessante Links:

https://karrierebibel.de/gespraech-unterbrechen/
https://www.waz.de/mediacampus/fuer-schueler/zeus-regional/hagen/introvertierte-werden-oft-unterschaetzt-id8692521.html
https://karrierebibel.de/introvertiert/
https://mindo-magazin.de/debora-sommer-die-staerken-von-introvertierten-werden-oft-unterschaetzt/

Kinder sind mutig

…und wir Erwachsene denken viel zu viel nach

Ich erinnere mich immer wieder an neue Buzz-Words, Akronyme und dergleichen: „Scrum“, „MVP“ (minimal viable product), „KPIs“, „OKR“ und und und… es liegt nun mal in der Natur der Sache: irgendwann hört man einen Begriff das erste mal. In der heutigen Zeit kann man sich gar nicht dagegen wehren. Ja, es ging auch mir so mit vielen Wörtern und es geht mir immer noch und es wird auch in Zukunft so sein, dass ich Bedeutungen einfach nicht kenne. Viele Wörter hat man zudem schon irgendwo einmal aufgeschnappt und gefährliches Halbwissen darüber.
Früher hab ich es stets so gehalten, mich entweder mit meinem Halbwissen zufrieden zu geben oder den Begriff erstmal aufzuschnappen und später danach zu googeln. Ich könnte mich ja lächerlich machen und als der Anfänger, der Nichtwissende, der Planlose dastehen. Nur was mach ich, wenn es ein firmeninternes Akronym ist? Da wirds dann schwierig mit der Suche im Internet. Naja… irgendwie bekomm ichs schon aus irgendeinem Gespräch heraus. Hhhmmm… ja, schon. Nur vielleicht ist es dann zu spät, weil ich selbst danach gefragt werde. Dann steh ich erst recht als der Depp da. Mit der Zeit hab ich meine Meinung geändert. Denn was habe ich schon zu verlieren, wenn ich frage? Was ist der worst-case? Werde ich gefeuert, wenn ich es nicht weiß? Lachen mich alle anderen aus? Krieg ich eine schlechte Bewertung von meinem Vorgesetzten? Komm ich karrieretechnisch jetzt nicht mehr weiter?
Wie eben erwähnt, hab ich meine Einstellung geändert und bin mutiger geworden. Ich frage einfach, wenn ich etwas nicht verstehe. Und, ach! Was für eine Überraschung: Ich bin nicht gefeuert worden. Ich werde und wurde noch nicht ausgelacht. Ich hab keine schlechte Beurteilung dafür bekommen und ich hab mir deswegen auch nicht meine Karriere verbaut (jedenfalls glaube ich das). Ganz im Gegenteil. Ihr könnt Euch sicher sein. Wenn in einer Runde von 10 Leuten Fachbegriffe durch den Raum geworfen werden und ihr diese nicht versteht, könnt ihr euch sicher sein: es wird mindestens noch eine weitere Person geben, die das gleiche Problem hat. Ihr könnt euch sicher sein, dass euch mindestens diese eine Person dankbar ist für eure Frage. Warum? Weil diese Person nicht die Hosen runter lassen musste und danach zu fragen.
Es kommt aber noch besser. Wenn sich jemand mit Fachbegriffen schmückt, fragt auch einfach mal so aus Spaß an der Freude nach. Vielleicht erwischt ihr den Redner auf dem falschen Fuß und er glänzt mit gekonntem Halbwissen. Dann kommt unter Umständen heraus, dass mehr heiße Luft als echtes Know-how zu Tage tritt.

Und jetzt die Gretchenfrage: wer von Euch hatte jedesmal den Mut und fragte nach, was dieser Begriff denn bedeute? Na? Ich denke ein Großteil von Euch hat nicht nachgefragt. Warum eigentlich? Habt ihr Bedenken, dass ihr der Einzige seid, der etwas nicht wisst? Überlegt ihr, ob ihr DER Vollpfosten seid, der nix checkt? Falsch! Ich leg meine Hand dafür ins Feuer, dass ihr nicht der Einzige seid. Es wird mindestens noch eine Person im Raum geben, die genauso viel Ahnung hat wie ihr, nämlich keine! Also fragen, fragen, fragen!!!

Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, was hat das mit Kindern und Mut zu tun? Unsere Welt ist kompliziert. Kinder kennen und verstehen viele Dinge nicht. Ist auch ganz normal. Sie müssen viel lernen in den ersten Jahren ihres Daseins. Ganz vorne angefangen: erstmal kapieren, dass die Gliedmaßen zu mir gehören und dass man diese auch steuern kann, dass die Augen noch viel mehr können als hell, dunkel und ein paar Farben ins Gehirn übertragen können, dass man sich geschickter fortbewegen kann, als auf allen vieren. Und dann noch die Königsdisziplin: Sprechen! Innerhalb von 2 Jahren. Irre!
Wenn erstmal dieses Level des Sprechens erreicht ist, geht das Leben erst so richtig los. Wenn Kinder etwas nicht verstehen oder etwas wissen wollen, fragen sie einfach. Sie überlegen nicht lange. Sie machen sich keine Gedanken über die Frage. Sie überlegen nicht, ob sie dann doof dastehen. Kinder sind neugierig und wollen es einfach Wissen. Es ist ihnen nicht peinlich zu fragen.

Was ich bei Kindern im Gegensatz zu uns Erwachsenen noch viel besser finde: Kinder probieren einfach aus. Kinder stellen keine großartigen Konzepte auf, wie etwas funktionieren könnte. Sie machen es einfach. Das ist zwar oft hart und frustrierend. Das beste ist jedoch: man oder besser gesagt Kind lernt verdammt schnell. Ausprobieren, scheitern, nachjustieren, wieder ausprobieren, Erfolg haben, freuen!
Wenn ich an meine Tochter denke, als sie 4 Jahre alt war. Wir hatten sie zum Kinder Yoga angemeldet. In einer wildfremden Gruppe, bei einer wildfremden Yoga Lehrerin. Ich glaube sie hatte nicht wirklich Ahnung, was da auf sie zukam.Sie ist einfach hin, sie hat sich drauf gefreut. Ja, sicher mit etwas schlottrigen Knien. Aber sie ist hin und hat sich auf das Unbekannte gefreut. Klar, war ja neu. Das ist auf jeden Fall interessant. Von der Mama weiß ich außerdem, dass sie auch so ein komisches Zeugs macht. Wie mutig! Wie gesagt: ich frag mich, ob sie vorher überhaupt verstanden hat, worauf sie sich da einlässt. Und für all diejenigen, die die Kleine nicht kennen. Sie ist eeeeecht sehr zurückhaltend, sehr introvertiert und schüchtern. Das beeindruckt mich umso mehr.

Also: nehmt Euch ein Beispiel an den Kleinen. Sie sind mutig. Sie denken nicht so viel über Belanglosigkeiten nach wie Ansehen oder Dergleichen. Sie probieren aus und sie fragen. Sie warten nicht. Nichts ist effizienter als dieses Vorgehen.