im Flow

oder Konzentration ist Alles…

Es ist einer dieser Momente, die ich liebe. Sonntagvormittag, ich konnte ausschlafen; wenn man bei 07:30 Uhr am Wochenende von ausschlafen reden kann. Wir hatten zusammen ohne größeren Zwischenfälle gefrühstückt. Nachdem die Löcher im Bauch gestopft waren, gings für die Kids an das Wichtigste nach Eisessen: Spielen!
Es kam wie so oft. Mein Wunsch erfüllte sich nicht. Insgeheim hatte ich gehofft, dass beide Mädels zusammen etwas spielen würden und ich mich mit meiner Frau in Ruhe über die Gartenplanung hätte unterhalten können. K1: „ich will x spielen“, K2: „will ich nicht! Ich will lieber Spiel ABC spielen“. Aus Erfahrung weiß ich: die Fronten sind verhärtet! Wenn die Vorschläge nicht von einer der beiden käme, wird sich kein Kompromiss finden lassen. Und es kamen keine Vorschläge und es gab keinen Kompromiss. Im Nachhinein bin ich froh drum.

Denn das hatte zur Folge, dass ich mit meiner kleinen Tochter mit in ihr Zimmer zum Pferd spielen durfte. Spielen bedeutet: mal ein bisschen den stacksigen Holzgaul auftrensen, mal einen Futternapf mit Spiel-Leckerlies (bunte Konfetti) dem scheckigen Schaukelpferd vor die Nase stellen. Die meiste Zeit verbringe ich jedoch damit, einfach nur da zu sein. Nichts weiter. Ich lauschte angeregt dem Kauderwelsch aus fränkisch und pferdisch. Sehr amüsant; bis mich wieder eine Erwachsenenkrankheit einholte: gedanklich abschweifen. Ich träumte vor mich hin, als eine Murmel aus einem Spieltuch auf den Holzboden rumpelte, während meine Tochter durch das Zimmer raste.
Meine Worte fanden noch nicht von den Gedanken durch den Mund nach draußen: „äähhh… Dir ist da grad eine Deiner Murmeln runterfallen. Willst Du nicht… …willst Du sie nicht aufheben? Wenn einer von uns drauftritt – Autsch!“.
Die kleine interessierte es nicht. Oder vielleicht hat sie es auch gar nicht bemerkt. Unterm Strich ist es auch völlig egal. Viel wichtiger ist: sie war im Flow, in totaler Hingabe für ihr Spiel, im hier und jetzt. Sie hat sich nicht ablenken lassen. Die Murmel war Nebensache, eben nicht wichtig. Und auch nicht relevant, weil eben jetzt ausschließlich das Tuch wichtig war.

Jetzt versetzt Euch mal in den Arbeitsalltag. Der Tag ist noch jung und vor Euch habt ihr eine Todo-Liste, was ihr alles erledigen wollt. Punkt 1 und 2 super dringend, der Rest, naja… muss halt gemacht werden. Ihr legt los mit Punkt 1. Zu Beginn schleppend , doch dann läufts einfach.
Neben Euch das Handy, das blinkt. Weitere Kollegen trudeln ein. Die Geräuschkulisse wird lauter. Ihr arbeitet weiter. Doch dieses verflixte Handy blinkt. Soll ich drauf schauen? Klar, könnte ja wichtig sein. Tatsächlich: Push-Nachricht von Bild: „Pjtro Lomardi macht übermorgen Urlaub auf Langeogg mit Hiltrud G.“ Leck mich! Warum hab ich jetzt aufs Handy geschaut?
Outlook ist offen: „Sie haben neue Nachrichten in Ihrem Postfach.“ Na, dann schauen wir mal schnell. Geht ja zackig! Tatsächlich wichtig. Der Chef braucht Infos zu Punkt 2 auf meiner Todo-Liste. Er brauchts bis heute Mittag statt morgen, weil sich ein Termin verschoben hat. Also nix wie ran an die Boeletten. Einen Teil krieg ich hin, muss dann aber unterbrechen, weil um 09:00 Uhr eine Retrospektive ist.
Nach 2h komm ich zurück an meinen Platz. Fix und alle, weils in dem Termin sehr emotional wurde. Schalter umlegen. Weiter gehts mit Punkt 1 auf der Todo-Liste… …Moment. Wo war ich gleich? Ich brauch 5 Min bis ich überhaupt wieder bei der Sache bin und weitere 10 Min. bis ich in Fahrt komme. Stopp, jetzt ist Daily. Ok, das geht schnell. Wieder zurück am Platz denke ich mir: Kack! Ich wollte bis heute Mittag Punkt 2 für den Chef liefern… Was hab ich jetzt geschafft? Naja… alles halb angefangen und nix richtig fertig. Ok, ich würde bis in einer Stunde was auf die Beine stellen. Doch mit welcher Qualität?

Was lehrt mich diese Message?
Konzentriert Euch auf die wichtigen Dinge wie beim Spiel meiner Tochter. Fangt die Euch hoch priorisierten Dinge an und schließt sie ab! Gibt es tatsächlich Dinge, die wichtiger sind? Wie wichtig können diese sein? Und wenn es sooo wichtige Dinge sind, die 3 Tage brauchen? Dann überlegt mal, ob sie nicht in kleineren Etappen abgeschlossen werden können. Mehrere Sachen gleichzeitig (ich weiß, der Begriff ist dehnbar) vollbringen zu wollen, könnte schwierig sein. Sicherlich könnt ihr mehrere Dinge anfangen, doch Dauer und Qualität werden leiden.
Getreu dem Wert Fokus:
Erledige nichts außer Deiner Arbeit. Fokussiere all Deine Bemühungen und Fähigkeiten darauf, an Deinen Zusagen zu arbeiten. Kümmere Dich um nichts anderes.
Um das ganze etwas plastischer aufzuzeigen. Versucht mal 3 Namen vertikal zu schreiben Namen vertikal schreiben.

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